Rache verschoben
Säureanschlag: Opfer darf Rache ausüben
JB - Rache ist süß sagt man manchmal. Doch Rache ist eigentlich unmenschlich, und in fast allen Ländern der Welt offiziell nicht erlaubt. Doch im Jahre 2004 ist im Iran etwas passiert, worüber wir hier in Europa sehr staunen: ein Mitstudent der Iranerin Ameneh Bahrami war enttäuscht darüber, dass sein Heiratsantrag abgelehnt wurde. Er war so "verletzt" darüber, dass er Ameneh Bahrami Säure ins Gesicht schüttete. Dabei wurde das Gesicht von Ameneh Bahrami vollkommen entstellt, und die junge Frau wurde fast blind. Per Gericht wurde Ameneh Bahrami nun das Recht zugestanden, es Ihrem Peiniger gleichzutun: Sie darf ihm nun auch offiziell Säure in die Augen träufeln, damit auch er - wie sie seinerzeit - blind wird.
Informationen zu diesem Beitrag
Rubrik: Wissen / Ausland / andere Sitten.
Thema: Darf man Rache üben?
Timeline / Datum des Ereignisses: 2004.
Newsübersicht / Datum der Veröffentlichung (auf klugseite.de): 28.05.2011.
Autor / veröffentlicht von: Jürgen Blumenkamp.
Rache ausüben? (Auge um Auge, Zahn um Zahn)
Wir kennen diesen Spruch; "Auge um Auge, Zahn um Zahn". Angeblich steht das so in der Bibel. Doch das stimmt so nicht. Die biblischen Aussagen zu diesem Thema sind vielfach falsch gedeutet. Von Rache ist keinesfalls die Rede in der Bibel. Der Kontext dieser Zeilen in der Bibel widerspricht diesem Rachespruch. Die christliche Kirche betet keinen Gott der Rache an, sondern einen Gott der Güte. Doch zumindest im Iran ist Rache offiziell erlaubt, und zwar nach genau diesem Spruch; "Auge um Auge, Zahn um Zahn".
Was war passiert?
In 2004 wurde die Frau wie oben beschrieben Säure von Ihrem Verehrer ins Gesicht gegossen. Dabei wurde Ihr Gesicht entstellt und sie wurde (fast) blind. In 2008 hatte die Frau dann vor Gericht erstritten, es Ihrem Peiniger gleich zu tun. Offiziell durfte sie demnach Ihrem Peiniger ebenfalls Säure ins Gesicht gießen. Dies hat die iranische Nachrichtenagentur ISNA sinngemäss so verlauten lassen. In 2011 sollte das "Urteil" dann ausgeführt werden. Der Peiniger sollte in ein Teheraner Krankenhaus gebracht werden. Doch die "Aktion" wurde von der iranischen Justizbehörde verschoben, wobei keine Gründe angegeben wurden.
Vermutlich weil die Justiz im Iran dann neg. Schlagzeilen befüchtete. Die "Blendung" wie sie auch genannt wird, ist aus "fadenscheinigen Gründen" - so die Iranerin Ameneh Bahrami - ausgesetzt worden. Angeblich war kein Arzt anwesend. Doch die Iranerin Ameneh Bahrami sagt: das stimmt nicht. Hier war ein Arzt, und er hat uns bestätigt, dass er wegen der Betäubung herbestellt wurde. Anm.: der Peiniger sollte betäubt werden, dann sollte die Iranerin Ameneh Bahrami ihm die Säure in die Augen träufeln dürfen.
Was sagt Amnesty International dazu?
AI hat sich gegen die "Blendung" ausgesprochen. Obwohl nach islamischem Recht das "Auge um Auge" Prinzip offiziell gültig ist, ist die iranische Regierung in derartigen Dingen schon oft eingeknickt, offenbar auch aus politischen Gründen. Vielleicht ist genau dies auch gut und genau das Richtige. Denn Rache ist keinesfalls süß!
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